Studenten – Bildungselite oder Suchende auf einer Odyssee

Ein Gros der jungen Leute – zwischen 17 und 30 Jahren (obwohl auch Menschen anderen Alters an Selbiger partizipieren und in diesem Falle keineswegs „diskriminiert“ werden sollen) – besucht aktuell die Sperrspitze der akademischen Bildungskette: Eine Universität/Hochschule. Ausgerichtet für eine explizite und berufsorientierte/ berufsdeterminierende Lehre, finden sich Menschen aus der ganzen Republik – gar aus vielfältigen Teilen der Welt – zusammen, um einen klaren Weg einzuschlagen. Schließlich bestimmt das Studium die eigene spätere Karriere – obwohl bei der Wahl des Studiums bereits die Prämissen und eigenen Zukunftsvisionen hierarchisch in den Entscheidungsfindungsprozess integriert sein sollten. So trifft man sie an – die Physiker, Juristen, Philosophen, Theologen, Medienwissenschaftler oder Wirtschaftswissenschaftler. Und lange muss man nicht suchen,um auch Studierende der slawischen Sprachen oder der Koreanistik anzutreffen. Das Spektrum ist breit – die Interessen sind verschiedenen und sollten dementsprechend auch „ausgelebt“ werden. Soweit dacor. Doch es scheint keine fakultätsspezifische Eigenheit zu sein, dass ein nicht geringer Teil die Sinnhaftigkeit und – vereinfacht ausgedrückt – die „Richtigkeit“ des eigenen Studiums anzweifelt.


Nicht wenige der Studenten hinterfragen die Studiumswahl und den dahinter stehenden Sinn

Somit scheint es vielmehr eine „Allgemeinkrankheit“ der universitären Lehrlinge zu sein, die den individuellen Diskurs zu bestimmen vermag.
Denn Zweifel – abgeleitet vom Lateinischen dubium (dubitatio) – durchziehen die Gedankenfurchen vieler Studenten/innen: Angefangen bei der sogenannten Generalskepsis – wobei das Wort Skepsis als kritisches Zweifeln zu bestimmen ist – bis hin zur individual-spezifischeren Skepsis erstrecken sich die Gedanken. Dies impliziert eine Vielzahl an Fragen, wobei einige idealtypische kurz angerissen werden sollen: Was bringt mir mein Studium für die Zukunft? Ist es wirklich das, was ich mein Leben lang machen möchte? Was ist wenn ich merke das es mir keinen Spaß mehr macht? Ist das Berufsspektrum zu klein? Wird meine Studiumswahl von meinem Umfeld respektiert? Gewiss ließen sich noch unzählige Weitere aufzählen, doch es wird eines offensichtlich, was scheinbar allen Empfindungen inhärent zu sein scheint: Die Unsicherheit gegenüber der Zukunft – dem von der vorherigen Generation gerne mal tituliertem „wahren Leben“.


Häufig kreisen die Gedanken und Unsicherheiten um die eigene Zukunft und das Leben in Selbiger

Wer werde ich in der Zukunft sein und was werde ich machen? Diese virulente – und zu Zeiten einer globalisierten Welt und sich ändernder Gesellschaftsmechanismen (Berufsfelder) – schwierige Verordnung der eigenen Person in diesem Prozess ist komplex. Dies kann mitunter zu Zweifeln und Sinnkrisen führen – jedoch scheint dieses keineswegs auf Studenten/innen begrenzt zu sein. Doch kommt bei Ihnen ein weiterer Aspekt hinzu – der geläufig als „Verlängerung der Jugend“ bezeichnet werden kann. So empfinden viele – trotz der unbestreitbar höheren Komplexität und Spezifität der universitären Lehre – die Selbige als einen für sich unzureichenden Zustand, teilweise (dies betrifft vor allen Dingen Diejenigen, welche ihr Studium unmittelbar nach Abschluss der schulischen Laufbahn begannen) als bloße Fortführung der Selbigen in einem anderen Gewand. Dies wäre flapsig formuliert nichts anderes als eine Stagnation. Diese wird vordergründig an dem scheinbar fehlenden Eintreten in das Erwachsenenleben festgemacht, welches durchaus immer noch an tradierten Werten, wie exempli gratia dem Innehaben eines Berufes geknüpft wird. Hinzu kommt die häufig vorhandene „Offenheit“ des Studiums, welche dieses Gefühl zu stärken vermag. Dies dürfte in der Tat – unter Anderem – beim Studieren der Philosophie, Germanistik, oder Medienwissenschaften durchaus öfter relevant sein, als beispielsweise beim Studium von Medizin, Jura, oder auf Lehramt (welche den eigenen zukünftigen Pfad per defitionem detaillierter zu zeichnen vermögen und somit das Gefühl der Unsicherheit verringern zu scheinen).


Die Humboldt Universität in Berlin: Ort zur Realisierung der eigenen Zukunft

Doch muss das wirklich so sein? Sprich: Sind diese negativen Gedanken,die – gewiss nicht alle Studierenden – aber eine Vielzahl der universitär Lernenden zu empfinden versteht, tatsächlich angebracht und ist es mitunter wirklich so diffus und nebelig? Natürlich sind die Gedanken über die eigene Zukunft und dem zukünftigen Leben von entscheidender – und geläufig von Zweifeln begleitet – von großer Bedeutung. Aber trotzdem sollten wir – und damit schließt sich der Autor dieses Textes in die breite Masse der Studierenden mitein – versuchen zu verstehen, dass die Zeit des Studiums eine für uns prägsame – und vorteilhafte – ist, in der wir in dem Rahmen umfangreicher Lehre unseren Weg für die Zukunft skizzieren können. Und diese keineswegs kategorisch – im Sinne der Alternativlosigkeit – ist. Wenn sich in der Zukunft andere Möglichkeiten und Wege ergeben, sich neue Interessen bilden, dann sollten wir das Studium nicht als Kreis verteufeln in deren wissenschaftlich abgegrenzten Umrissen wir uns bewegen müssen. Vielmehr sollten wir unser Studium – unabhängig verschiedener „Nutzungen“ des Selbigen – als Anker ansehen, an dem wir uns stets orientieren können und das ist etwas keinesfalls Negatives.

In diesem Sinne:
Euer Maurice